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Neue Texte
Dieter Wolf
Bemerkungen zum Zusammenhang zwischen Wert und Kapital
Widerlegung der Behauptung, der Wert sei eine Erscheinungsform des Kapitals in Verbindung mit einer Kritik an der mystisch irrationalen Vermischung von „abstrakt menschlicher Arbeit“ und „Arbeitsprozess“ (PDF, 80,6 KB)
Dieter Wolf
Habermas’ Kritik des „Marxschen Produktionsparadigmas“
Bei den folgenden Ausführungen geht es um das angekündigte Buch:
„Vom Wert zum Produktionspreis. Die allgemeine Profitrate als "Attraktor" eines sozialen komplexen Systems. Mit einer Kritik an Michael Heinrichs Buch „Die Wissenschaft vom Wert“
Datum der letzten Korrektur: 13.03.2012
I.
Das Buch erscheint als erster Band in einer Buchreihe mit dem Titel Kritik der politischen Ökonomie - interdisziplinär. Mit der Kritik der politischen Ökonomie ist das aus drei Bänden bestehende „Kapital“ von Karl Marx und mit interdisziplinär ist die Verflechtung bzw. Vernetzung der unterschiedlichen Natur-, Sozial-, und Geisteswissenschaften gemeint. Hiermit ergibt sich die Notwendigkeit, die Veröffentlichung des Buches bis voraussichtlich Ende des Jahres 2012 zu verschieben; denn es gilt, mehr als ursprünglich geplant, seiner Rolle als erstem Band dieser Buchreihe gerecht zu werden, die einen Beitrag zum Verständnis der Interdisziplinarität der Wissenschaften leisten will. Daher geht es um ein Verständnis des Marxschen „Kapitals“, das sich dadurch auszeichnet, dass die in ihm ihrer ökonomisch gesellschaftlichen Struktur nach dargestellte Gesellschaft auf grundlegende Weise für den realen historisch gewordenen Zusammenhang der Bereiche der Wirklichkeit verantwortlich ist, die ebenso viele Forschungsgegenstände der Natur- Sozial- und Geisteswissenschaften sind.
Wenn Habermas vom „Marxschen Produktionsparadigma“ redet, dann wird mit dem Verweis auf den von Thomas Kuhn diskutierten „Paradigmenwechsel“ darauf abgehoben, bei Marx’ „Kapital“handele es sich um eine Theorie, die von Teilen der Wissenschaftsgemeinschaft zunächst akzeptiert, mittlerweile aber für obsolet erklärt worden ist. Von der „alteuropäischen“, für eine bestimmte Zeit typischen Gesellschaftstheorie sei nicht viel mehr übrig geblieben als „ein größeres Stück Landschaft mit den erloschenen Vulkanen des Marxismus“, das ein durch eine „Abstraktionslage“ zu einem systemtheoretischen Höhenflug über den Wolken veranlasster neueuropäischer Geistesheroe bei „gelegentlichen“ „Durchblicken nach unten“ wahrnimmt. (Niklas Luhmann ,Soziale Systeme Grundriß einer allgemeinen Theorie, 4. Aufl. - Frankfurt am Main, 1991, Seite 12 ff.).
Wenn Habermas und Luhmann sich einmal herablassen, inhaltlich verbindlich auf ökonomisch gesellschaftliche, das Gesellschaftliche der Arbeit ausdrückende Formen einzugehen, dann werden, wie bei Habermas, Gebrauchswert und Wert der Waren mystisch irrationalistisch miteinander vermischt, und dem Gebrauchswert die okkulte Fähigkeit verliehen, im Wert zu erscheinen. (Jürgen Habermas, Theorie des kommunikativen Handelns, Bd. 1 Frankfurt/Main 1981, Seite 477 ff. Sieh hierzu: Dieter Wolf, Der dialektische Widerspruch im Kapital, Hamburg, 2002, Seite 164 ff.)
In der Absicht Marx einen kruden Biologismus zu unterstellen, geht Luhmann auf Marx’ Rede von der Ware als „Zelle“ ein. “Diese Metapher ist jedoch noch zu grob und leitet auch insofern fehl, als Zellen wiederum hochkomplexe autopoietische Systeme sind, die ihrerseits riesige Mengen von Makromolekülen laufend reproduzieren“. (Niklas Luhmann, Wirtschaft der Gesellschaft, Frankfurt am Main 1988, Seite 22) Als Hinweis auf seine insgesamt völlig verfehlte Interpretation, mit der er seine Ahnungslosigkeit über den durch den Gegenstand bedingten systemtheoretischen Charakter des „Kapitals“ an den Tag legt, sei hier lediglich vorgebracht, dass er die von Marx gebrauchte Metapher, mit der ein Sachverhalt umschrieben wird, der ohne sie mit anderen Worten dargestellt wird, wörtlich nimmt und als wörtlich genommene zum Maßstab der Interpretation erhebt, so als würde man seine Metapher von den erloschenen Vulkanen des Marxismus wörtlich nehmen und annehmen, Marx’ „Kapital“ sei real ein aktiver, Feuer speiender Vulkan gewesen.
Habermas glaubt, mit der "Dialektik von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen“ ginge es Marx um den Zusammenhang von „Arbeit und Interaktion“. Dem Anspruch, den Habermas damit verbindet, würde Marx aber nicht gerecht werden, weil er mit seinem Verständnis der Produktionsverhältnisse nicht den Zusammenhang von Arbeit und Interaktion erfasst, sondern stattdessen die durch kommunikatives Handeln sich auszeichnende Interaktion auf instrumentales Handeln reduziert. Hiermit hat Habermas kurzer Hand, entgegen der Rede von der Dialektik von Produktionsverhältnissen und Produktivkräften, die Produktionsverhältnisse ausgelöscht und auf die Produktivkräfte reduziert, die für Habermas instrumentelles, mit theoretisch technischem Wissen gepaartes Handeln sind.
Der Zusammenhang von Produktionsverhältnissen und Produktivkräften umfasst den in seiner historisch spezifischen Form durch das Kapitalverhältnis bestimmten gesellschaftlichen Gesamtreproduktionsprozess, der aus der über die Konkurrenz vermittelten Verschlingung der Kreisläufe der Kapitale besteht, d.h. aus der Zirkulation des Gesamtkapitals als prozessierender Einheit von Produktion und Warenzirkulation. In Gestalt dieser gesellschaftlichen Gesamtreproduktion geht es in Marx’ „Kapital“ von der ersten bis zur letzten Zeile um die gesellschaftliche Arbeit. Habermas scheint dem Rechnung zu tragen, insofern im Untertitel seiner Marxkritik von „Synthesis durch gesellschaftliche Arbeit“ die Rede ist. (Erkenntnis und Interesse, Frankfurt, 12. Auflage, 1999, S. 38) Aber dieser Schein erweist sich als trügerisch, wenn man bedenkt, wie wenig Habermas vom „Kapital“wahrnimmt, und wie verkürzt und einseitig dementsprechend seine Auffassung von gesellschaftlicher Arbeit ist.
Wenn Habermas vom „Produktionsparadigma“ redet, dann signalisiert er von vorneherein, dass es um eine den Paradigmenwechsel bestätigende Art der Abrechung mit dem Marxschen „Kapital“geht. Zu diesem Zweck unternimmt er alles, um gesellschaftliche Arbeit bis zur Unkenntlichkeit so zurechtzustutzen, dass es nicht mehr schwer fällt, sich von einer mit ihr auseinandersetzenden Theorie zu verabschieden. Indem Habermas gesellschaftliche Arbeit auf instrumentelles Handeln reduziert, das durch ein zweckrationales, strategisch kalkulatorisches Denken bestimmt ist, bringt er sie um alles, was sie als gesellschaftliche auszeichnet. Mit dieser Reduktion klammert Habermas von gesellschaftlicher Arbeit alles das aus, was ihre grundlegende Bedeutung für alle anderen Bereiche der Gesellschaft ausmacht, also all das, worauf die Bedeutung beruht, die ihr und dem „Kapital“, als ihrer wissenschaftlichen Darstellung, für ein Verständnis der Interdisziplinarität der Wissenschaften zukommt.
Wenn Habermas auf kritische Einwände gegen seine reduktionistische Verfahrensweise eingeht, dann nur um zuzugestehen, mit dem instrumentellen Handeln ginge auch ein eigentlich der Lebenswelt vorbehaltenes kommunikatives Handeln einher, das aber im Bereich gesellschaftlicher Arbeit als dem aus der Ökonomie bestehenden Subsystem eine untergeordnete, beiherspielende und somit im Grunde genommen eine zu vernachlässigende Rolle spielt. Habermas lässt sich aber darauf nicht weiter ein, sondern hält sich, vielleicht dem Zwang seines eigenen Theoriekonzepts unterliegend, an seine oberflächliche und reduktionistischen Behandlung des „Kapitals“, die ihm die Einsicht in das von den Menschen auf eine ihnen unbewusst-bewusste Weise geschaffene Gesellschaftliche der Arbeit verweigert, das seinen Ausdruck in ganz bestimmten historisch spezifischen ökonomisch gesellschaftlichen Formen findet, die ebenso viele Formen des Werts sind. Das kommunikative Handeln ist darauf angewiesen, dass mit den Sprachkompetenzen ein durch „Reflexion“ sich auszeichnendes Denken entwickelt. Kommunikatives Handeln, das auf diese Weise qualifiziert auf wechselseitige Verständigung auf Solidarität, Wahrheit, Liebe, Autonomie, Emanzipation usf. ausgerichtet ist, entfaltet sich erst in der das wahre Wesen des Menschen offenbarenden Lebenswelt, die jenseits des die gesellschaftliche Arbeit ersetzenden Subsystems Ökonomie liegt.
Zu Habermas’ Fehlinterpretation gesellschaftlicher Arbeit gehört es grundsätzlich, dass ihm entgeht, dass es sich bei dieser um gesellschaftliche Verhaltens- und Kommunikationsweisen handelt, die von den die ökonomisch gesellschaftliche Wirklichkeit gestaltenden Menschen innerhalb und außerhalb der unmittelbaren Produktion vollzogen werden. Als Folge hiervon machen für ihn Ökonomie und bürokratischer Staat die Systemwelt aus, während alle anderen Bereiche der Gesellschaft zur Lebenswelt gezählt werden. Bei den mit den Verhaltens- bzw. Kommunikationsweisen verbundenen geistigen Aktivitäten handelt es sich um das zweckrationale, die Systemwelt auszeichnende „Produktionswissen“ und das die Lebenswelt auszeichnende auf wechselseitige Verständigung und Anerkennung ausgerichtete „Reflexionswissen“.
Wenn Habermas die gesellschaftliche Arbeit nach dem Muster des instrumentellen, an technizistisches Produktionswissen gebundenen Handelns interpretiert, dann geschieht das im Glauben, damit eine Kritik an der kapitalistisch verfassten Produktionsweise üben zu können, ohne sich mit dem Kapital auseinanderzusetzen, d.h. ohne danach zu fragen, was es bedeutet, dass die Menschen eine nach einer ihnen selbst unbewussten Seite hin in ihrem Verhalten zueinander und zur Natur eine ökonomisch gesellschaftliche Wirklichkeit schaffen, die in ihrer historisch spezifischen Form durch ökonomisch gesellschaftliche Formen als ebenso vielen Formen des Werts der Waren bestimmt ist. Die Erkenntnis des Gesellschaftlichen der Arbeit hängt von der Erkenntnis dieser ökonomisch gesellschaftlichen Formen ab, insofern in ihnen ausgedrückt ist, was das Gesellschaftliche der Arbeit ist, und was davon den Menschen, die es in ihrem gesellschaftlichen Handeln produzieren und reproduzieren, bewusst ist und was nicht.
Wenn die Produktion als Zusammenhang von Produktionsverhältnissen und Produktivkräften aufgefasst wird, dann geht es um gesellschaftliche Verhaltensweisen der Menschen zueinander und zur Natur, die jeweils doppelt bestimmt sind: Das Verhalten der Menschen zueinander ist zugleich ein Verhalten zur Natur, und das Verhalten der Menschen zur Natur ist zugleich ein Verhalten zueinander.
Insofern es mit der Warenzirkulation anfängt, um den gesellschaftlichen Charakter der Produktion zu gehen, verhalten sich die Menschen zueinander und zu den Waren, die als Gebrauchswerte Arbeitsprodukte, also Resultate der unterstellten Produktion und damit ebenso viele Stücke umgeformter Natur sind. In einer für die Produktion gültigen Weise zeigt sich in der Warenzirkulation, die Marx zunächst als einfach bestimmte nach der Seite betrachtet, nach der sie die Voraussetzung für die Produktion ist, dass alle konkret nützlichen Arbeiten, wo immer sie in der Produktion oder in anderen über sie hinausgehenden Bereichen der gesellschaftlichen Gesamtreproduktion ausgeführt werden, in ihrer allgemeinen Eigenschaft, abstrakt menschliche Arbeit zu sein, ihre in allen Wertformen gegenständlich ausgedrückte gesellschaftlich allgemeine Form erhalten.
Im ganzen Bereich gesellschaftlicher Arbeit kommt es darauf an zu erfassen, wie die Menschen in ihrem gesellschaftlichen Handeln auf eine ihnen unbewusst-bewusste Weise ein in sich gegliederte gesellschaftliches Ganzes schaffen, das sich aus den gesellschaftlichen Verhältnissen, den ihren historisch spezifischen Charakter ausdrückenden ökonomisch gesellschaftlichen Formen, und den Bewusstseinsformen zusammensetzt.
Entgegen der wirklichkeitsfremd zu nennenden Annahme von Habermas, zeichnet sich dies Handeln der Menschen, mit dem sie eine komplexe ökonomisch gesellschaftliche Wirklichkeit schaffen, dadurch aus, dass es als gesellschaftliches bereits auf bestimmte Weise das in sich vereinigt, was Habermas unter zweckrationalem, strategischem, instrumentellem Handeln und kommunikativem, verständigungsorientiertem Handeln versteht und schwerpunktmäßig auf die Systemwelt und die Lebenswelt verteilt.
Das historisch spezifisch Gesellschaftliche der Arbeit, das Habermas ausklammert, ist, was vor allem die kommunikativen lebensweltlichen emanzipatorischen Elemente anbelangt, sowohl für deren Entwicklung verantwortlich, als auch dafür, dass diese Entwicklung in einem sie hemmenden beschränkenden Rahmen vonstatten geht. Da sich in der gesellschaftlichen Arbeit bereits emanzipatorische lebensweltliche Elemente entwickelt haben, fängt es in ihr auf grundlegende Weise damit an, um all das zu gehen, worum es auch auf andere mehr oder weniger weiter entwickelte Weise außerhalb von ihr in allen anderen Bereichen der Gesellschaft geht. Die Kritik an der von Habermas fachökonomisch reduktionistisch als „Ökonomie“ bezeichneten ökonomisch gesellschaftlichen Wirklichkeit kann, nachdem sie auf das die Systemwelt charakterisierende instrumentelle Handeln reduziert wurde, nicht darauf beschränkt werden, vor den Schäden zu warnen, welche der Lebenswelt durch ihre „Kolonisierung“ durch die Systemwelt zugefügt werden.
Die Kritik an der ökonomisch gesellschaftlichen Wirklichkeit sollte vielmehr darin bestehen, mit Rekurs auf ihre mit dem Kapitalverhältnis gegebene historisch spezifische Formbestimmtheit nicht nur zu erklären, warum es durch diese bedingt, bereits eine Entwicklung der lebensweltlichen Elemente gibt, sondern auch, warum diese Entwicklung zugleich aufgehalten bzw. gehemmt und eingeschränkt wird. Es kann also zuerst und grundlegend nur darum gehen, die Schranken dieser Entwicklung aufzuheben, und im Bereich gesellschaftlicher Arbeit selbst die Entfaltung der auf Autonomie und Emanzipation ausgerichteten lebensweltlichen Elemente so weit wie möglich zur Entfaltung zu bringen. Um dies zu erreichen, gilt es, das Schaffen der ökonomisch gesellschaftlichen Wirklichkeit auf ihre von allen Menschen für alle Menschen zu leistende Um- und Neugestaltung auszurichten.
Das zweistufige Modell, demzufolge sich aus der Lebenswelt heraus die aus Ökonomie und bürokratischem Staat bestehende Systemwelt ausdifferenziert hat, charakterisiert allgemein Habermas’ Gesellschaftstheorie, in deren Interesse er Marx’ Kritik der politischen Ökonomie auf ein technizistisches Machwerk herab bringt, dessen Gegenstand ein instrumentelles, durch zweckrationales Denken bestimmtes Handeln ist, dem zudem noch bei Lichte besehen Schranken gesetzt sind, insofern es sich „zwischen Trieb und Triebbefriedigung“ einen „Stoffwechselprozeß (…) vermittelt (…), der sich auf animalischer Ebene als unmittelbarer Austausch des Organismus und seiner Umgebung vollzieht.“ (Erkenntnis und Interesse, ebenda, S. 72)
Die Fortsetzung des Textes finden Sie anbei als PDF–Datei
Ein Band in der Schriftenreihe "Kritik der politischen Ökonomie - interdisziplinär" Hrsg. Dieter Wolf
"Klappentext" (Waschzettel) für das voraussichtlich Ende des Jahres 2012 im Argument-Verlag.,Hamburg
erscheinende Buch:
Dieter Wolf, Vom Wert zum Produktionspreis
Die allgemeine Profitrate als "Attraktor" eines sozialen komplexen Systems
Mit einer Kritik an Michael Heinrichs Buch „Die Wissenschaft vom Wert“
Der Zusammenhang zwischen dem Wert der Waren und ihrem über die Herstellung der Durchschnittsprofitrate
vermittelten Produktionspreis wird bekanntlich unter dem Etikett eines so genannten
„Transformationsproblems“ diskutiert. Hierbei wird die Marxsche Werttheorie zugunsten einer Gebrauchswerte
verrechnenden Preistheorie aufgegeben. Theoretiker wie z.B. Ladislaus von Bortkiewics und Michael Heinrich stellen
einen statisch-linearen Zusammenhang zwischen Wert- und Preisebene her, der so nicht existiert. Ihrem monokausalen
Verständnis von Wissenschaft bleibt die durch das Kapitalverhältnis bestimmte ökonomisch-gesellschaftliche
Wirklichkeit entzogen, soweit sie eine Selbstorganisation in einem sozialen komplexen System ist. Es kommt alles
darauf an zu verstehen, wie vermittels des unbewusst-bewussten Handelns der Menschen die unterschiedlichen,
sich wechselseitig bedingenden und beeinflussenden ökonomisch-gesellschaftlichen Elemente und Bereiche produziert und
reproduziert werden. Hiermit gilt es das Problem zu lösen, nichtlineare Zusammenhänge linear darzustellen.
Mit dem Nachweis der von den Menschen verursachten „Naturwüchsigkeit“ der ökonomisch-gesellschaftlichen Prozesse
hat Marx für das „Kapital“ begründet, warum es eine große Übereinstimmung mit solchen modernen Systemtheorien
aufweist, deren Forschungsgegenstand die Selbstorganisation in natürlichen Systemen ist. Diese Übereinstimmung zeigt
ein Vergleich der zyklischen Prozessstruktur der Herstellung der Durchschnittsprofitrate mit dem „Attraktor“, den die
meisten komplexen Systeme aufweisen, insofern ihre Prozessstruktur durch eine ganz bestimmte zeitabhängige Abfolge von
Zuständen bestimmt ist. Moderne Systemtheorien der Wirtschaft scheitern als nicht begründete Abbilder von
Systemtheorien biologischer Prozesse ebenso an der Komplexität des kapitalistischen Reproduktionsprozesses wie an der
Erklärung des Zusammenhangs von System und Handlung.
Dieter Wolf, Vom Wert zur Wertform.
Ein Kommentar zu dem Beitrag von Michael Jäger im Blog der Zeitschrift "der Freitag": "Die andere Gesellschaft" (48) : „Von Adorno zu Luhmann.“
(20.08.2010 | 22:19)
Dieter Wolf, Zur Erklärung des Geldes in den ersten beiden Kapiteln des Kapitals
Kommentar zu den Ausführungen von Michael Jäger im Blog der Zeitschrift "der Freitag": "Die andere Gesellschaft" vom 25.08.2010 | 13:37 in „ (49) Der Punkt“
Letzte Korrektur am: 20.09.2010
Beide Kommentare hier zugänglich: PDF (89,4 KB)
Dieter Wolf, Ende oder Wendepunkt der Geschichte.
Zur Einheit von Darstellung und Kritik bei Hegel und Marx . (PDF, 167 KB)
Dieter Wolf,
Wer im Glashaus sitzt … (als PDF, 136 kb) Bemerkungen zu dem Weblog - Kommentar von Annette Schlemm zu Dieter Wolfs Vortrag:
Warum konnte Hegels „Logik” Marx „große Dienste leisten”?
Michael Sommer / Dieter Wolf, Imaginäre Bedeutungen und historische Schranken der Erkenntnis.
Eine Kritik an Cornelius Castoriadis (Zugleich ein Beitrag zum Verständnis der Kritik der politischen Ökonomie.) (PDF) (1,09 MB)
Hamburg 2008, Argument Verlag • ISBN 978-3-88619-344-8 (274 Seiten) www.argument-buchhandlung.de 10999 Berlin, Reichenberger Straße 150
Waschzettel:
In der Auseinandersetzung mit dem Kapital von Karl Marx machen sich Tendenzen bemerkbar, „hermetische Lesarten“ der Kritik der politischen Ökonomie
wegen ihrer angeblichen Verschlossenheit gegenüber Konzepten von „Praxis“, „Kampf“ und „Widerspruch“ zu kritisieren. Vertreter dieser Tendenz nehmen dabei
nicht zufällig Elemente auf, die sich auch im Werk von Cornelius Castoriadis finden. In der Auseinandersetzung mit seiner Philosophie werden daher auch Theorien
in Frage gestellt, die eine Kritik an „strukturfetischistischen“, für menschliches Handeln keinen Platz lassenden Interpretationen des Kapitals üben. So berechtigt diese Kritik ist:
Gegner eines „Strukturfetischismus“ schütten das Kind mit dem Bade aus, wenn sie glauben, sich ohne Rekurs auf die von den Menschen selbst
geschaffenen, aber nach einer Seite hin unbewussten ökonomisch-gesellschaftlichen Strukturen für eine schöpferische, auf die Emanzipation der Menschen
ausgerichtete Praxis einsetzen zu können. Angesichts der Bedeutung, die Aristoteles’ Auffassung von Gerechtigkeit und Gleichheit in der politisch-theoretischen Diskussion zukommt,
geht es darum, wie sich Castoriadis mit Aristoteles auseinandersetzt und vergeblich versucht, ihn gegen Marx auszuspielen. Die – auch als
Beitrag zur Interpretation der Kritik der politischen Ökonomie zu verstehende – Abhandlung ist daher nicht nur wegen der spürbaren „Renaissance“ des Werkes
von Cornelius Castoriadis aktuell. Es geht auch darum, mit Hilfe des Marxschen Kapitals die Bedingungen einer emanzipatorischen Praxis aufzuzeigen, mit der die
Menschen beginnen können, sich aus der von ihnen selbst geschaffenen und damit selbst verschuldeten Naturwüchsigkeit ihres ökonomisch-gesellschaftlichen
Zusammenhangs zu befreien.
Dieter Wolf: Zur Methode in Marx’ „Kapital“ unter besonderer Berücksichtigung ihres logisch-systematischen Charakters. Zum Methodenstreit zwischen Wolfgang Fritz Haug und Michael Heinrich. (PDF)
In: Ingo Elbe, Tobias Reichardt, Dieter Wolf: Gesellschaftliche Praxis und ihre wissenschaftliche
Darstellung. Beiträge zur Kapital-Diskussion Wissenschaftliche Mitteilungen.
Heft 6. Argument Verlag, Hamburg, 2008. ISBN 978-3-88619-655-5 Hrsg.:Carl-Erich Vollgraf, Richard Sperl & Rolf Hecker
Inhaltsverzeichnis des ganzen Buches (der Beiträge aller Autoren) und Klappentext: Siehe weiter unten
Warum konnte Hegels „Logik“ Marx „große Dienste leisten“? (PDF)
Datum letzte Änderung (Langfassung): 20. 8. 2010
Vortrag gehalten am 28. 11. 2009 in Berlin auf der "Internationalen wissenschaftlichen Konferenz:
Marx mit der MEGA neu lesen!"
Der Vortrag wird in der zweiten Hälfte des Jahres 2010 erscheinen.
In: Carl-Erich Vollgraf, Richard Sperl & Rolf Hecker (Hrsg.): Beiträge zur Marx-Engels-Forschung, Neue Folge 2010,
Hamburg 2010
Marx’ „Kritik der politischen Ökonomie“, Hegels Philosophie des Geistes und die Interdisziplinarität der Wissenschaften (PDF)
Dieter Wolf, Ausführungen zum
Systemcharakter der ökonomisch gesellschaftlichen Verhältnisse, zu den methodisch bedeutsamen
Abstraktionen und zur „Methode des Aufsteigens vom Abstrakten zum Konkreten“
Dieter Wolf, Gesellschaftliche Praxis und das Problem der Geldware. In: Ansgar Knolle-Grothusen, Stephan Krüger, Dieter Wolf.
"Geldware, Geld und Währung. Grundlagen zur Lösung des Problems der Geldware".
Argumentverlag Hamburg, Oktober 2009, ISBN • 978-3-88619-345-5 (262 Seiten, [D])
www.argument-buchhandlung.de 10999 Berlin, Reichenberger Straße 150
Editorial
Die aktuelle weltweite Kreditkrise, die ihren Ausgang von den „Subprime-Hypotheken“ in den USA nahm, zeigt deutlich, dass der unvermittelte Umschlag
des Kreditsystems ins Monetarsystem keineswegs nur ein Phänomen des Geldsystems des 19. Jahrhunderts war, welches heutzutage keine Gefahr
mehr darstellen würde. Diese Gefahr, heute mit einer aus der Kernreaktortechnologie entlehnten Metaphorik gern als „Kernschmelze des internationalen
Finanzsystems“ und „GAU“ bezeichnet, rückt die Frage nach der Qualität des heutigen Geldes erneut ins Zentrum des Interesses.
Die seit dem Ende des Bretton-Woods-Systems nicht mehr gegebene formelle und fixe Konvertibilität der Währungen gegenüber der Geldware
Gold hat verschiedene Interpreten des Marxschen Kapitals veranlasst, die Notwendigkeit einer Geldware für die Konsistenz der Marxschen Theorie
in Frage zu stellen. In Auseinandersetzung mit solchen Interpretationen, die sich um ein Kapital ohne Geldware bemühen, wird zunächst die Notwendigkeit
der Existenz einer Geldware auf den Abstraktionsebenen der Darstellung der ersten drei Kapitel des Kapitals als Resultat einer gesellschaftlichen
Praxis nachgewiesen, in der die Menschen unbewusst-bewusst die in unterschiedlich entwickelten Formen des Werts erscheinenden ökonomisch
gesellschaftlichen Verhältnisse schaffen.
Weiterhin wird der Entfaltung der Geldfunktionen im Marxschen Werk und der daraus resultierenden besonderen Geldformen bis hin zum Kredit und
Bankensystem nachgegangen und die Verselbstständigung dieser Geldformen gegeneinander sowie ihr vielfach vermittelter Rückbezug auf die
Geldware untersucht.
Abschließend wird das heutige Zentralbankgeld als eine spezifische Symbiose von Wertzeichen und Kreditgeld bestimmt und der Versuch unternommen,
anhand der Geldpolitik der Deutschen Bundesbank die praktische Vermittlungskette von der Geldware zum heutigen Repräsentativgeld
darzustellen, d.h den praktischen Denominationsprozess darzustellen, der es den Währungen ermöglicht, auch bei nicht mehr gegebener formeller
Goldkonvertibilität als Maß der Werte zu dienen.
Mit dem, was zu diesen drei Komplexen in den Beiträgen dieses Buchs ausgeführt wird, soll eine Grundlage geschaffen und ein Anstoß gegeben
werden für weitere Forschungen, um ausgehend von den Basiskategorien des Marxschen Kapitals deren Vermittlung mit den heutigen Erscheinungsformen
von Geld, Währung und Preisen schlüssig darzustellen.
Inhaltsverzeichnis als PDF
Der Beitrag von Dieter Wolf - "GesellschaftlichePraxis und das Problem der Geldware" mit einer Kritik an Ingo Stützle, Michael Heinrich und
Jannis Milios - ist hier als PDF-Datei zugänglich. (PDF 454 KB, 110 Seiten)
Dieter Wolf: Zur Methode in Marx’ „Kapital“ unter besonderer Berücksichtigung ihres logisch-systematischen Charakters. Zum Methodenstreit zwischen Wolfgang Fritz Haug und Michael Heinrich.
In: Ingo Elbe, Tobias Reichardt, Dieter Wolf: Gesellschaftliche Praxis und ihre wissenschaftliche Darstellung.
Beiträge zurKapital-Diskussion Wissenschaftliche Mitteilungen.
Heft 6. Argument Verlag, Hamburg, 2008. ISBN • 978-3-88619-655-5 (265 Seiten, [D])
www.argument-buchhandlung.de 10999 Berlin, Reichenberger Straße 150
Klappentext:
In diesem Sammelband geht es um wichtige Aspekte der wissenschaftlichen Darstellung der gesellschaftlichen Praxis, soweit sie Gegenstand der ersten Kapitel im ersten Band des Kapitals ist.
Mit der Betonung der gesellschaftlichen Praxis wird auf den ebenso selbstverständlichen wie grundlegenden Sachverhalt abgehoben, dass die ökonomisch gesellschaftlichen Strukturen von den Menschen
in ihrem Verhalten zueinander und zur Natur auf eine bestimmte unbewusst-bewusste Weise geschaffen und gestaltet werden. Der Zusammenhang von ökonomisch gesellschaftlichen Strukturen und dem Handeln
der Menschen zeichnet sich als gesellschaftliche Praxis durch bestimmte mit dem Kapitalverhältnis gegebene Eigentümlichkeiten aus. Die methodische Verfahrensweise der Darstellung, mit der die gesellschaftliche Praxis
erklärt werden soll, muss sich, um diesen Eigentümlichkeiten gerecht zu werden, ebenfalls durch ganz bestimmte Eigentümlichkeiten auszeichnen, die für ihren wissenschaftlich rationalen Charakter verantwortlich sind.
Mit den Einsichten, die Marx in Auseinandersetzung mit dem ihm zugänglichen Stück Zeitgeschichte und den einschlägigen ökonomischen Theorien über den kapitalistischen Gesamtreproduktionsprozess gewonnen hat,
konnte er dessen wissenschaftliche Darstellung im Zeichen der „contemporären Geschichte des Kapitals“ methodisch auf das ausrichten, was er den „idealen Durchschnitt“ und die „Kernstruktur“ des Kapitals nannte.
Mit dem hier sich eröffnenden methodischen Horizont wird auch erklärt, warum die Darstellung gerade als logisch systematische kein der gesellschaftlichen Praxis äußerliches Gedankenkonstrukt ist.
Auf welche wissenschaftlich rationale Weise im Kapital die durch die besondere gesellschaftliche Praxis gegebenen Probleme gelöst werden, wird detailliert an Hand einer Auseinandersetzung mit
repräsentativ ausgewählten Kapital-Interpretationen an konkreten Schritten der Darstellung der ökonomisch gesellschaftlichen Formen nachvollzogen. Hierbei werden auch vermeintliche und wirkliche
Ambivalenzen und Veränderungen in der Darstellung einiger dieser ökonomisch gesellschaftliche Formen in den verschiedenen Auflagen des Kapitals berücksichtigt.
Inhaltsverzeichnis als PDF
Der Begriff des dialektischen Widerspruchs in Marx' »Kritik des Hegelschen Staatsrechts«
Auszug aus dem Buch "Der dialektische Widerspruch im Kapital"
„Nachlese“ zu einer Diskussion des Artikels über „Marx` Verständnis des Werts und der abstrakt menschlichen Arbeit in den Grundrissen“.
(Der zur Diskussion gestellte Artikel ist zur Zeit auf dieser Website „Neue Texte“) zugänglich und später unter dem Menupunkt „Artikel“).
Marx`Verständnis des Werts und der abstrakt menschlichen Arbeit in den „Grundrissen"
Zur Methode des Aufsteigens vom Abstrakten zum Konkreten.
Wert und abstrakt menschliche Arbeit in Michael Heinrichs Buch „Wie das Marxsche „Kapital“ lesen?
Konstitutive Rolle der theoretischen Abstraktionen für die Methode der wissenschaftlichen Darstellung. Vortrag gehalten in Hamburg.
Übergang vom Geld ins Kapital.
Warum ist die „dialektische Form der Darstellung nur richtig, wenn sie ihre Grenzen kennt“? In: Carl-Erich Vollgraf, Richard Sperl & Rolf Hecker (Hrsg.):
Beiträge zur Marx-Engels-Forschung, Neue Folge 2007, Hamburg, 2007, S.45 ff. ISBN 978-3-88619-667-8
Gesellschaftliche Arbeit im "Kapital"
Cornelius Castoriadis und Karl Poppers platonischer Idealismus.
Dieser Text gehört zu dem bereits erschienen Buch: Michael Sommer, Dieter Wolf, Imaginäre Bedeutungen und historische Schranken der Erkenntnis. Eine Kritik an Cornelius Castoriadis.
Hamburg 2008, Argument Verlag • ISBN 978-3-88619-344-8 ( 274 Seiten, [D]) www.argument-buchhandlung.de
Das Kapital als automatisches Subjekt und die Einheit von Darstellung und Kritik [als PDF]
Dieser Exkurs gehört zu dem bereits erschienen Buch: Michael Sommer, Dieter Wolf, Imaginäre Bedeutungen und historische Schranken der Erkenntnis. Eine Kritik an Cornelius Castoriadis.
Hamburg 2008, Argument Verlag • ISBN 978-3-88619-344-8 ( 274 Seiten, [D]) www.argument-buchhandlung.de |
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